The Oyster: Flachwasser-Wellen­kraftwerk ahoi!

Ein Teil des Oyster Wave Energy Converters ist an der Wasseroberfläche sichtbar. Der Hauptteil des Flachwasser-Wellenkraftwerks befindet sich unter der Meeresoberfläche.Der obere Teil des Oyster Wave Energy Converters ragt aus dem Meer.

Wer einmal bei unruhiger See an Bord eines Schiffes stand, weiß, welche enorme Kraft Wellen entwickeln können. Das macht sich das schottische Unternehmen Aquamarine Power mit einem Flachwasser-Wellenkraftwerk zunutze. Die Anlage heißt „The Oyster“ (Die Auster) und befindet sich im European Marine Energy Centre (EMEC) auf den Orkney Inseln, Schottland. Sie besteht aus einer durch Wellenkraft angetriebenen Pumpe in der küstennahen See sowie einer hydroelektrischen Turbine an Land.

So nutzt die „Oyster“ die Wellenenergie

Aufgenommen wird die Wellenenergie im sogenannten „Oyster Wave Energy Converter“. Dieser Teil der Anlage befindet sich ungefähr 500 Meter vor der Küste in einer Tiefe von rund 13 Metern – er funktioniert wie eine Auster, die sich öffnet und schließt. Der obere Teil besteht aus einer beweglichen Klappe, die fast ganz vom Wasser umschlossen ist. Er bewegt sich mit den Wellen und nimmt dabei deren Energie auf. Mit dieser pumpt die Auster über eine Hydraulik Wasser zu einem Generator an Land. Hier wird die Wellenenergie in Strom umgewandelt. Laut Aquamarine Power liefert das aktuelle Kraftwerk „Oyster 800“ durchgehend eine Kapazität von 800 Kilowatt. Geplant sind Wellenfarmen mit mehreren Hundert Anlagen, die Hunderte von Megawatt erzeugen können.

Mit Hilfe der Wellenkraft pumpt der Oyster Wave Energy Converter Wasser an Land, das dort in Strom umgewandelt wird.

Mit Wellenkraft wird Wasser an Land gepumpt und dort in Strom umgewandelt.

Vorteile dieser Form der Wasserkraft

Im Vergleich zu anderen regenerativen Energien wie Wind- oder Solarenergie kann die erneuerbare Energie Wellenkraft mit einem wichtigen Vorteil punkten: Anders als das Wetter lässt sie sich bis zu fünf Tage im Voraus bestimmen. Zwar werden Wellen vom Wind ausgelöst, allerdings bereits Hunderte, manchmal Tausende Kilometer weit vom Ufer entfernt – und damit lange Zeit, bevor sie am Wellenkraftwerk in Schottland ankommen. Aus diesem Grund lässt sich genau vorhersagen, wie viel Energie zu einem bestimmten Zeitpunkt durch die Wellen produziert werden kann. Außerdem ist die Technik umweltfreundlich und die Auster im Wasser kaum sichtbar. Ein weiteres Plus: Laut Aquamarine Power soll die Anlage so konfigurierbar sein, dass sie bei Bedarf das Meerwasser direkt in eine Salzwasser-Entsalzungsanlage pumpt. Das könnte vor allem für Inseln wie zum Beispiel die Kanaren interessant sein, die auf die Süßwassergewinnung angewiesen sind. Das macht diese Form der Wasserkraft so attraktiv.

Das Wellenkraftwerk Oyster in Schottland: Stand und Ausblick

Im Frühjahr 2015 hat Aquamarine Power eine umfangreiche Testreihe beendet und die entsprechenden Daten veröffentlicht. Das Ergebnis bestätigt, dass das Flachwasser-Wellenkraftwerk genau das tut, was es soll. Geschäftsführer John Malcolm hebt den Umfang der verifizierten Daten hervor, die für jeden Seegang inklusive starken Stürmen erhoben wurden. Nun ist das Unternehmen dabei, die Anlagen technologisch weiter voranzutreiben und zu optimieren. Eine der aktuellen Herausforderungen ist die Entwicklung eines standardisierten Stromgenerators für die offene See. Getestet wird dieser übrigens in Deutschland – am Institut für fluidtechnische Antriebe und Steuerungen an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen. An dem Projekt sind viele Partner aus der Wirtschaft beteiligt. Malcolm betont: „Das Konsortium steht allen offen.“