Stromspeicher der Zukunft? Alte Batterien aus Elektro­autos

Second Life für Batterien: Nach dem Einsatz in Elektroautos können die Batterien auch noch als Stromspeicher für Eigenheime und Industrieanlagen eingesetzt werden.Ausrangierte Batterien aus Elektroautos können als Stromspeicher in Eigenheimen und Industrieanlagen eingesetzt werden.

Noch über 70 Prozent Leistung: Gebrauchte Akkus sind zu wertvoll zum Wegwerfen

Elektroautos fahren mithilfe von Batterien. Doch diese verlieren mit der Zeit einen Teil ihrer Kapazität. Die Folge: Die ohnehin knappe Reichweite der Fahrzeuge schrumpft. Dann werden die Lithium-Ionen-Akkus ausgetauscht. Aber selbst wenn sie den Anforderungen im Verkehrssektor nicht mehr genügen, sind die gebrauchten Akkus viel zu wertvoll zum Wegwerfen. Denn sie verfügen immer noch über mindestens 70 Prozent ihrer Leistungsfähigkeit. Für weitere rund zehn Jahre sind alte Batterien effiziente Stromspeicher. Sie können Energie aus Wind und Sonne aufnehmen und bei Bedarf wieder abgeben. Daraus lassen sich clevere neue Geschäftsmodelle entwickeln. Vom Autohersteller bis zum Start-up haben Unternehmen dieses Potenzial erkannt und verhelfen Secondhand-Akkus zu einem neuen Leben.

Zusammen sind sie stark: Mehrere Batterien werden zusammenkoppelt

Für ihre Zweitverwendung werden die alten Akkus getestet und neu verschaltet. Nach der Aufbereitung schließt man mehrere Batterien zu einem stationären Speicher zusammen. Dessen Energie steht bei Bedarf innerhalb von Sekunden zur Verfügung und kann dabei helfen, das Stromnetz stabil zu halten. Als lokale Anlagen können Batteriespeicher auch in virtuelle Kraftwerke integriert werden. Diese steuern und vermarkten mehrere kleine und dezentrale Erzeugereinheiten.

Vielfältig einsetzbar: Energiespeicher für Eigenheime und Industrieanlagen

Batteriespeicher eignen sich unter anderem als Zwischenspeicher für überschüssigen Strom aus Wind und Sonne. In Firmengebäuden und Industrieanlagen sind sie ebenso einsetzbar wie in privaten Haushalten, die sich beispielsweise mit Solarstrom versorgen. Und für Nachschub ist gesorgt: Die Zahl der Elektrofahrzeuge in Deutschland stieg von 2.300 im Jahr 2011 auf derzeit rund 20.000. Weltweit sind es mittlerweile rund 740.000. Die Zukunft der Zweitverwertung alter Batterien aus der E-Mobility hat erst begonnen.

Volle Dynamik: Second-Life-Batterien treiben die Energiewende voran

Die Zweitverwertung der alten Batterien schont die Umwelt. Gebrauchte Akkus wieder zu verwenden ist zudem kostengünstiger, als nagelneue Speichersysteme zu installieren. Darüber hinaus ist die Stromspeicher-Technologie wirtschaftlich: Mit Second-Life-Batterien lässt sich Geld verdienen.

Hersteller und Energieexperten gehen davon aus, dass auch der Bereich Elektromobilität von diesem neuen Trend auf dem Speichermarkt profitiert. Die Weiterverwertungsvorhaben sollen dazu beitragen, dass Elektrofahrzeuge günstiger angeboten werden, weil sich der Lebenszyklus der Batterien deutlich verlängert.

In der Hamburger HafenCity kommen die "Second Life Batteries" zum Einsatz in einer Schnellladesäule.

Vattenfall und BMW setzen „Second Life Batteries“ in Hamburg ein. Zum Projekt gehört diese Schnellladesäule in der HafenCity, in die ein Batteriespeicher integriert ist.

Voll im Trend: Unternehmen investieren in Pilotprojekte

Vom Start-up bis zum Großkonzern investieren Unternehmen in Speicherprojekte mit neuen Batterien. Der Technologiehersteller Bosch beispielsweise hat im schleswig-holsteinischen Braderup einen der größten Batteriespeicher Europas gebaut, um bei Bedarf die Energie eines Windparks zwischenspeichern zu können. Im hessischen Kelsterbach installierte Bosch einen Lithium-Ionen-Speicher für eine Wohnsiedlung. Auch führende Autohersteller wie BMW, Nissan, Mitsubishi und Daimler entwickeln diese Technologie mit – und recyceln dabei ausrangierte Akkus aus ihren eigenen E-Mobility-Segmenten.

So hat der Münchner Autobauer BMW gemeinsam mit Bosch und Vattenfall das Projekt „Second Life Batteries“ ins Leben gerufen. Es ist das derzeit größte Vorhaben seiner Art, in dem unterschiedlich alte und leistungsstarke Module sowie komplette Batterien verbaut werden. BMW liefert dabei mit den Batterien das Herzstück der (erweiterbaren) Anlage und zeigt sich für die Entwicklung des stationären Batteriesystems und die Optimierung der technischen Rahmenbedingungen der Batterie-Zweitverwendung verantwortlich.

Für einen Großspeicher im Hamburger Hafengebiet wurden über Hundert gebrauchte Akkus aus den BMW Elektroauto-Modellen ActiveE und BMW i3 zusammengeschlossen. Erwartete Leistung: zwei Megawatt. Vattenfall übernimmt Bau, Betrieb und Vermarktung der Anlage. Bosch ist für die Systemintegration des Batteriesystems im stationären Betrieb zuständig.

„Die Batterien bleiben auch nach ihrem ersten Leben im Auto eine wertvolle Ressource.“
Daniel Hustadt, Projektleiter „Second Life Batteries“ bei Vattenfall

E-Mobility-Teamwork für die Energiewende

Die 2-MW-Batterie ist der letzte von drei Praxistests, mit dem „Second Life Batteries“ Einsatzfelder für Gebrauchtbatterien aus der E-Mobility erforscht. Bereits seit 2014 werden in der Hamburger HafenCity zwei andere Technologien erprobt, darunter eine Schnellladesäule für E-Autos. Dort sorgt eine Batterie dafür, dass das Netz stabil bleibt, wenn es beim Laden kurzfristig stark belastet wird. Bei einem weiteren Projekt geht es darum, Photovoltaikanlagen mithilfe von Batteriespeichern zu optimieren.

eLIFE Fazit: Immer mehr Energie aus erneuerbaren Quellen bedeutet auch: Wir brauchen mehr Speicher. Denn Strom aus Wind und Sonne wird nicht kontinuierlich produziert, sondern schwankt je nach Wetter, Tages- und Jahreszeit. Batteriespeicher können kurzfristige Energieschwankungen ausgleichen und sind damit ein Schlüssel zur Stabilisierung der Stromnetze. Außerdem lassen sich mit dieser Recycling-Technologie neue Geschäftsmodelle für die Energiewende-Wirtschaft erschließen. Das zweite Leben der Elektroauto-Batterien lohnt sich.