Offshore-Windanlagen: Schall­schutz für Schweins­wale

Schallschutz für Schweinswale: Beim Bau von Offshore-Windparks wird auf umweltschonende Maßnahmen gesetzt.Schallschutz für Schweinswale beim Bau des Offshore-Windparks Sandbank.

Beim Bau innovativer Anlagen zur Energiegewinnung sind nicht nur Ingenieure gefragt. Gerade die Errichtung von Offshore-Windparks unterliegt strengen Richtlinien, damit das Gleichgewicht des Ökosystems Meer erhalten bleibt. Hier kommen Spezialisten wie die Meeresbiologin Dr. Eva Philipp ins Spiel: Sie arbeitet daran, Umweltschutzmethoden weiterzuentwickeln. Während der Bauphase des Windparks Sandbank in der Nordsee sorgt sie dafür, dass Schweinswale vor Baulärm geschützt werden.

Beim Bau von Offshore Windparks wird auf Schallschutz gesetzt, um Schweinswale zu schützen.

Bau von Offshore-Windparks: Schallschutz schützt Schweinswale.

Meeresbewohner mit empfindlichen Gehör

Schweinswale verfügen über ein äußerst sensibles Gehör, welches ihnen zur Orientierung dient. Deshalb sind sie sehr lärmempfindlich. Das Errichten der Gründungspfähle für die Windanlagen könnte sie stören. Deshalb dürfen 160 Dezibel in 750 Metern Entfernung nicht überschritten werden. Dank Dr. Philipp kommt dafür ein Hydroschalldämpfer zum Einsatz. Im Vorgängerprojekt DanTysk sorgte ein doppelter Blasenschleier allein für mehr Ruhe beim Bau, jetzt ist eine Kombination aus beiden Technologien möglich – für einen noch besseren Schallschutz.

Zweifacher Schallschutz: Hydroschalldämpfer und Blasenschleier

1. Schallschutz: Beim Hydroschalldämpfer (HSD) handelt es sich um eine Art Fischernetz, das um den Pfahl herum von der Wasseroberfläche bis auf den Meeresgrund gespannt wird. Im Netz befinden sich unterschiedlich große und geformte Schaumstoffelemente und Ballons. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Eigenschaften dämmen diese Elemente den Unterwasserschall in verschiedenen Frequenzen.

2. Schallschutz: Beim Blasenschleier kommt ein doppeltes System zum Einsatz. Dabei werden zwei lange Schläuche mit Löchern in einem Abstand von etwa 40 bis 70 Metern um den zu installierenden Pfahl auf dem Meeresboden ausgelegt. Kompressoren pumpen Luft in die Schläuche, sodass Blasen austreten. Diese steigen als Schleier rund um die Rammstelle auf und bremsen den Schall in seiner Ausbreitung.

Aufsteigende Blasen bremsen die Ausbreitung des Schalls und senken somit den Lärmpegel in der Umgebung

Blasenschleier: Aufsteigende Lufblasen bremsen den Schall.

„Da der Blasenschleier und der HSD in verschiedenen Schallfrequenzen eine unterschiedliche Wirksamkeit in der Minderung zeigen, sehe ich derzeit in der Kombination beider Systeme eine optimale Schallminderung über einen breiten Frequenzbereich.“ sagt Philipp.

 

 

Langfristiger Naturschutz

Die Ingenieure sammeln durch eine Echtzeitdatenübertragung beim Bau sowie die permanente Überwachung des Schallschutzsystems zahlreiche Daten, die ihnen bei der gegenwärtigen Arbeit von großem Nutzen sind. Letztendlich steht mit dem weiteren Ausbau regenerativer Energiequellen das Thema bestmöglicher Umweltschutz ebenfalls auf der Agenda. Dazu gehört auch die Frage, welche Langzeitwirkung der Bau der Windkraftanlagen sowie der Schallschutz auf die Meeresbewohner hat – eine Frage, mit der sich auch Eva Philipp in Zukunft intensiv beschäftigen wird.

Es hat sich viel getan in puncto Umweltschutz. Das ist sicherlich auch Folge der intensiven öffentlichen und medialen Auseinandersetzung. Man sieht heute die Erfolge der guten Planung.

Dr. Eva Philipp

Fakten-Check zum Offshore-Windpark Sandbank

  • Fläche des Windparks: 60 km2
  • Fundament-Typ: Monopiles
  • Wassertiefe: 24 bis 33 Meter
  • Turbinentyp: SWT-4.0-130
  • Anzahl der Windturbinen: Anlagen: 72
  • Nennleistung je Turbine: 4 Megawatt
  • Gesamte installierte Leistung: 288 Megawatt
  • Jahresstromproduktion: 1,4 Terrawattstunden, was einem Verbrauch von rund 400.000 Haushalten entspricht
  • Inbetriebnahme: 2017

Der eLIFE-Hinweis: In der Ostsee schwimmt seit 2015 der Prototyp einer Windkraftanlage. Diese Anlage wird an Land gebaut und auf See zusammengesetzt. Dadurch entfällt der Baulärm auf hoher See, zum anderen muss das schwimmende Windrad nicht im Boden verankert werden. Mehr zu der umweltfreundlichen Windkraftanlage auf hoher See lesen Sie hier.