Rebound-Effekt: Erhöht Energieeffizienz den Energieverbrauch?

eLIFE erklärt den Rebound-Effekt: Wie kann es sein, dass wir immer mehr energiesparende Produkte besitzen und trotzdem genauso viel Energie verbrauchen.Rebound-Effekt: Geräte werden sparsamer, jedoch der Energieverbrauch sinkt nicht, weil man sie immer öfter nutzt.

Steigende Energieeffizienz: Warum kommt es nicht zur erwarteten Energieeinsparung?

Wir nutzen energiesparende Fernseher, Lampen, Kühlschränke oder fahren energieeffiziente Autos. Dementsprechend könnte man bestimmte Energieeinsparungen erwarten.

In der Praxis werden diese jedoch nicht erreicht. Hier tritt ein Phänomen auf, das die Wissenschaftler den Rebound-Effekt nennen. Das Umweltbundesamt erklärt es so:

Der Rebound-Effekt beschreibt die Differenz zwischen der theoretisch zu erwartenden Einsparung durch eine Effizienzmaßnahme und der tatsächlich erreichten Einsparung.

Das hat verschiedene Ursachen. Im Wesentlichen kann man den Rebound-Effekt in drei Kategorien unterteilen: den direkten, den indirekten und den gesamtwirtschaftlichen Rebound-Effekt.

Der direkte Rebound-Effekt

Dieser hängt mit unserem Verhalten zusammen: Das effiziente Gut oder die Dienstleistung wird mehr, häufiger oder intensiver konsumiert.

Beispielsweise werden die neuen LED-Lampen viel länger angelassen als die einstigen Glühbirnen. Oder es werden mehr energieeffiziente Lichtquellen im Haushalt installiert. Dabei sparen diese wahrscheinlich immer noch Energie im Vergleich zu den alten Stromfressern. Nur eben nicht so viel, wie eigentlich möglich wäre.

Ein weiteres Beispiel: In Japan haben Wissenschaftler des Tokyo Institute of Technology das Verhalten von Autofahrern untersucht, die sich ein umweltschonendes Hybrid-Auto zugelegt hatten. Das Ergebnis: Ein Jahr nach dem Kauf waren sie rund 1,6-mal mehr Kilometer gefahren als mit ihrem alten Auto im gleichen Zeitraum.

Für den Bereich Raumwärme wurde der indirekte Rebound-Effekt in einigen europäischen Ländern gut untersucht. Hier zeigte sich, dass nach einer Gebäudesanierung mit effizienter Dämmung auch das Behaglichkeitsempfinden um einige Grad Celsius stieg. Es wurde mehr geheizt.

Der indirekte Rebound-Effekt

Beim indirekten Rebound-Effekt führt mehr Effizienz an der einen Stelle zu mehr Konsum an einer anderen. Das bedeutet, Sie sparen Geld durch ein energieeffizientes Gerät, welches Sie jedoch woanders für energieverbrauchende Produkte oder Dienstleistungen ausgeben.

Der gesamtwirtschaftliche Rebound-Effekt

Hierbei führen Effizienzsteigerungen im Endeffekt zu einer steigenden Nachfrage nach Energie oder energieverbrauchenden Gütern, die in der Gesamtwirtschaft die Energieeinsparungen verringern.

Ein Beispiel: Durch effizientere Autos sinken die Kosten pro gefahrenen Kilometer. Mögliche Folgen, welche die Energieeinsparungen verringern:

  • Autos werden attraktiver, weshalb sich mehr Haushalte ein Auto zulegen.
  • Infolgedessen werden mehr Autos produziert, wofür mehr Energie verbraucht wird.
  • Gleichzeitig werden energieeffiziente Nahverkehrsmittel weniger genutzt.
  • Geringere Fahrtkosten und höhere Mobilität machen ein Einfamilienhaus auf dem Land attraktiver.
  • Das Eigenheim führt zu mehr gefahrenen Kilometern, die Wohnfläche vergrößert sich, es wird mehr Energie fürs Heizen

Dieses Beispiel lässt sich weiterdenken. Es zeigt, wie kompliziert es ist, den gesamtwirtschaftlichen Rebound-Effekt zu berechnen. Das ist jedoch wichtig für die angestrebten Ziele der Energiewende. Denn nur, wenn man weiß, wie viel Energie am Ende wirklich gespart wird, weiß man auch, ob die Ziele erreicht werden können.

Wie hoch ist der Rebound-Effekt?

Schwer zu sagen. Dazu gibt es viele verschiedene Aussagen, genaue Zahlen jedoch nicht. Wissenschaftler diskutieren das Thema kontrovers. Laut einer Studie im Auftrag der Europäischen Kommission können Rebound-Effekte zwischen zehn und 80 Prozent der zu erwartenden Energieeinsparung zunichtemachen. Ein Forschungsprojekt an der Universität Kassel soll zukünftig genauere Daten liefern.

Was können Sie gegen den Rebound-Effekt tun?

Machen Sie sich Ihr Verhalten bewusst. Das lässt Sie nicht nur nachhaltiger handeln, sondern Sie können auch Ihre Energiekosten senken. Stellen Sie sich dafür fünf einfache Fragen:

  • Muss ich ein Produkt wirklich haben?
  • Ist das neue Produkt meinem Bedarf angepasst?
  • Gibt es zu einer Dienstleistung energiesparendere Alternativen, die ich in Anspruch nehmen kann, zum Beispiel den Zug anstatt das Flugzeug?
  • Nutze ich das Gerät im angemessenen Umfang?
  • Lasse ich Geräte eingeschaltet, auch wenn ich sie gar nicht benutze?

Das eLIFE-Fazit: Dass es Rebound-Effekte gibt, ist unbestritten. In Ihrem Alltag können Sie diesen entgegenwirken, indem Sie sich selbst hinterfragen und nachhaltig handeln. Der direkte Vorteil für Sie: An mancher Stelle sparen Sie bares Geld.